Konzeption einer Website

Bei der Konzeption eines neuen Webauftritts muss man an zahlreiche Dinge denken. Vieles davon ist scheinbar offensichtlich, aber bei so vielen Aspekten wird doch leicht die eine oder andere Kleinigkeit zunächst vergessen. Unangenehm wird es dann, wenn schon Realisiertes plötzlich wieder geändert werden muss oder nichts voran gehen kann, weil bestimmte Daten noch nicht erstellt oder gefunden wurden. Es ist also ratsam, sich ausführlich Gedanken zu machen, bevor die erste Codezeile geschrieben oder der erste Server aufgesetzt wird.

Allgemein: was und für wen?

Als Erstes sollte man sich klar werden was das primäre Ziel der Seite ist. Information? Kommunikation? Verkauf? Wer soll damit angesprochen werden? Für welche Länder und in welchen Sprachen soll die Website verfügbar sein? Gerne kann man auch schon konkreter werden und überlegen welche Unterseiten und Menüpunkte es geben soll, sodass man einen Überblick über die Funktionsvielfalt bekommt. Auch wichtig ist, woher der Inhalt für die einzelnen Seiten kommt, wer ihn erstellt und einpflegt. Möglicherweise gibt es bereits einen ähnlichen Webauftritt oder eine alte Version, die ersetzt oder überarbeitet werden soll. Dann kann man überlegen ob man die Inhalte direkt überführen kann oder ob sie überarbeitet werden müssen - vielleicht sollten sie auch komplett neu erstellt werden.

Es muss also insgesamt klar werden was der Sinn der Website ist, für wen sie entwickelt werden soll und welcher Inhalt, beziehungsweise wie der Inhalt hinein kommt. Der Aufwand, den die Erstellung von Texten und die Beschaffung von Bildern verursacht, ist nicht unbeträchtlich. Es ist längst nicht immer sinnvoll Texte von Printmedien eins zu eins zu übernehmen und ursprünglich verwendete Fotos können veraltet oder von zu schlechter Qualität sein. Natürlich muss nicht schon der gesamte Inhalt vor der Website an sich fertig sein, aber es ist gut, sich einen groben Überblick zu verschaffen was an Inhalten vorhanden ist und was auf der Seite erscheinen soll.

Bitte intuitiv bedienbar

„Intuitiv“ ist ein wunderschönes Wort. Natürlich soll die Bedienung immer intuitiv sein, einfach, selbsterklärend. Aber damit es so sein kann sollte man sich einige Gedanken über die Usability und über den Nutzer machen.

Wer die Zielgruppe der Seite ist, sollte schon fest stehen. Diese Information ist auch für die Usability sehr wichtig – Senioren gehen in der Regel anders mit Webseiten um als Jugendliche. Auch der Nutzungskontext ist von Bedeutung, das heißt wo sich der Nutzer befindet und was er gerade tut, wenn er die Seite nutzt. Ist er unterwegs und will nur kurz etwas nachschlagen oder sitzt der typische Nutzer eher zu Hause und will gemütlich einkaufen? Bedient er die Website mit der Maus oder auf einem kleinen Smartphone per Touch? Schnell kommt hier die Frage auf, ob es eine mobile Version der Seite geben oder sie mittels Responsive Design gestaltet werden soll. Falls die Nutzergruppe sehr eingeschränkt ist, beispielsweise weil es um ein Portal nur für Mitarbeiter geht, kann man erwägen, ob Anwenderschulungen sinnvoll und nötig sind. Vielleicht genügen auch ein Benutzerhandbuch oder eine Hilfe-Funktion. Eine Suchfunktion macht aus Usabilitysicht ebenfalls oft Sinn, sofern die Seite etwas umfangreicher ist.

Es ist ratsam, kritisch nachzufragen, was wirklich nötig ist. Unwichtige Features machen die Entwicklung aufwändiger und teurer und außerdem stören Sie den Nutzer, weil die Seite unübersichtlicher wird. Idealerweise findet jeder Nutzer auf der Seite nur genau die Informationen und Funktionen, die er benötigt. Praktisch lässt sich das natürlich nicht in dieser Form realisieren, aber die Tendenz sollte eher Richtung Minimalismus als Überfrachtung gehen.

Konzeption Website

Die technische Seite

Ohne Technik geht es nicht und hier gibt es vieles zu klären. Wie wird die Seite aufgesetzt, gibt es ein Content-Management-System oder nicht? Wo wird sie gehostet? Wer kümmert sich um das Deployment, also die Installation und Konfiguration, und wer pflegt und wartet das System in der Folgezeit? Sollen andere Systeme angeschlossen werden, beispielsweise Warenmanagementsysteme, oder soll es eine Verbindung zu Social Media geben? Es ist auch möglich ein Ticketsystem aufzusetzen um Probleme oder Änderungsvorschläge zu tracken und nach und nach abzuarbeiten. Die verwendete Technologie und die Frage, welche Browser unterstützt werden sollen, müssen ebenfalls geklärt werden.

Es ist wichtig, dabei die Zukunft im Blick zu haben. Möglicherweise möchten Sie die Seite in ein paar Jahren erweitern, oder es handelt sich nur um eine Zwischenlösung, die dementsprechend möglichst günstig sein soll und schlecht erweiterbar sein darf. Vielleicht stellen Sie in zwei Jahren ein angeschlossenes externes System um und möchten das neue wieder einfach anbinden können – über solche Fälle sollte man sich schon bei der Konzeption Gedanken machen. Im Allgemeinen gilt dabei: Je anpassbarer und flexibler eine Lösung sein soll, desto aufwändiger ist ihre Entwicklung.

Farbwahl & Co.

Ein ganz anderer Aspekt ist das Thema Optik. Hier gilt es sich das grundlegende Layout zu überlegen, sowie die Gestaltung und die Farbwahl. Gut bedienbar soll es natürlich sein, das haben wir schon geklärt, aber gut aussehen soll es auch und in das Corporate Design des Unternehmens passen.

Klassischer Header oder nicht, Navigation links oder rechts oder oben, mit Dropdowns oder nicht und sollen es überhaupt mehrere Seiten sein oder wird es eine Single-Page-Lösung? Hierbei sollte man die Nutzer der Zielgruppe und ihren Nutzungskontext im Kopf haben. Auch muss geklärt werden woher die verwendeten Medien kommen. Wo sind die Dateien der speziellen Schriftart, wer hat das Copyright an diesen Bildern – solche Fragen können auftreten und sollten möglichst geklärt werden, ehe der Programmierer danach fragt.

Optimierung und Analyse

Erst wenn man weiß wie Nutzer sich auf einer Seite verhalten besteht die Möglichkeit sie zu optimieren. Möglichkeiten das Verhalten der Besucher aufzuzeichnen gibt es viele und schon bei der Konzeption der Seite darf man durchaus erwägen, welche man einsetzen möchte. Eine einfache Variante ist Google Analytics einzubinden und damit Daten zu sammeln, die dann weiter ausgewertet werden können. So kann beispielsweise erfasst werden über welche andere Seiten Besucher auf die Website gelangen, wie viele es sind und aus welchen Ländern sie auf die Seite zugreifen.

Nebenbei: die Nutzer müssen Ihre Seite auch erst einmal finden. Suchmaschinenoptimierung (SEO – Search Engine Optimization) bietet sich hierfür an. Dabei spielt auch eine Rolle welche Länder Ziel der Website sind, denn anders als in Deutschland ist nicht unbedingt nur Google als Suchmaschine relevant.

Darf’s sonst noch was sein?

Wenn es um die Umsetzung eines Webshops geht müssen nochmals ganz neue Thematiken betrachtet werden. Die Auswahl der Bezahlmöglichkeiten kann durchaus ein kritischer Punkt sein an dem sich entscheidet, ob ein Kauf zustande kommt oder nicht. Jede Zahlungsart hat Vor- und Nachteile für Anbieter und Kunden. Allgemein muss geklärt werden wie der Bestellprozess abläuft, welche Daten abgefragt werden und ob eine Registrierung nötig ist. Gegebenenfalls benötigt jeder registrierte Kunde Zugriff auf einen privaten Bereich, in dem er beispielsweise den Status seiner Bestellungen verfolgen kann. Webshops können auch von verschiedenen Stellen zertifiziert werden um dem Kunden zu zeigen, dass der Shop vertrauenswürdig ist. Vor allem wenn die Artikel hochpreisig sind, der Qualitätsaspekt betont werden soll oder möglichst viele Kunden per Vorkasse zahlen sollen, ist das durchaus eine Überlegung wert.

Handelt es sich bei der Website um ein Portal mit speziellen Funktionen oder gibt es einzelne „Specials“, so muss geklärt werden was genau damit möglich sein soll. Gerade bei komplexen Funktionen lohnt es sich gut zu überlegen, wie sie für den Nutzer am effizientesten nutzbar sind. Das heißt, wie sie erreichbar sind, auf welche Art welche Funktion realisiert wird, welche Probleme auftreten können und wie man sie umgehen kann.

Es gibt viel zu tun

Jedes einzelne der angeschnittenen Themen kann und sollte besprochen werden. Einige sollten besonders früh abschließend geklärt sein, andere können einen gewissen Entwicklungsprozess durchlaufen oder sind ohnehin erst gegen Ende der Umsetzung relevant. Grundsätzlich gilt: hat die Umsetzung erst einmal begonnen verzögert jede weitere Änderung von bereits Implementiertem und jedes auftretende, ungeklärte Problem den Entwicklungsprozess. Eine gute Abstimmung von allen beteiligten Parteien vor Beginn der Umsetzung ist also essentiell.