Interview: Herausforderungen und Potenziale des Internets der Dinge

Das Internet of Things (IoT) ist ein riesiger Wachstumsmarkt. Laut dem Netzwerkgiganten Cisco wird die Zahl der verbundenen Geräte bis 2020 von derzeit etwa 25 auf rund 50 Milliarden steigen, Halbleiterhersteller Intel spricht gar von 200 Milliarden Geräten. Aber welche Komponenten werden für Smart-Home- und IoT-Projekte eigentlich benötigt, was sind die Herausforderungen dabei und wie sieht es mit der Datensicherheit aus?

Bernd Behler, Geschäftsführer und Head of Software Development bei tresmo, und Farhad Khalil, Geschäftsführer und Co-Head of Digital Transformation Consulting, geben Antworten.

Herr Behler, tresmo arbeitet derzeit unter anderem an einem Smart-Home-Projekt. Welche essentiellen Komponenten beinhaltet ein solches Projekt?

Behler: Um die Internetfähigkeit von Gegenständen des Alltags herzustellen, gibt es im Grunde genommen zwei Möglichkeiten. Hat man bestehende Geräte, schließt man ein sogenanntes Gateway an. Oder aber man kauft bzw. entwickelt neue Geräte, in denen das Gateway bereits integriert ist. Dieses Gateway sendet die vielen verschiedenen Gerätedaten an die Cloud, wo sie in ein standardisiertes Datenmodell konvertiert werden. Und darauf kann man dann Anwendungen aufbauen, mit denen der Kunde beispielsweise seine Geräte über Mobile Apps und Browser fernsteuern kann oder Services mit denen sich Geräte remote warten lassen. So lassen sich dann Heizungen, Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte in ein sogenanntes ‚Smart Home’ einbinden.

Was hat der Nutzer davon?

Behler: Der Mehrwert für den Anwender besteht vornehmlich aus drei Punkten: Energieeinsparung, Sicherheit und Komfort. Die ersten beiden Punkte lassen sich schon gut realisieren. Der angestrebte Komfort leidet jedoch gegenwärtig bei vielen am Markt verfügbaren Lösungen noch darunter, dass man sich zur Steuerung des Smart Homes zusätzlich um eine App und deren Bedienung kümmern muss. In diesem Bereich wird zukünftig deutlich mehr Intelligenz in den Smart Home-Lösungen selbst integriert sein. Beispielsweise möchte ich als Bewohner eines Hauses oder einer Wohnung ja nicht selbst die Heizung ständig per App an meine Bedürfnisse anpassen müssen, sondern die Smart Home-Lösung sollte automatisch die für meine aktuelle Situation passende Temperatur einstellen.

Welche Weiterentwicklungen stehen Ihrer Ansicht nach dem Smart Home noch bevor?

Behler: Bezüglich der technischen Standards wird künftig viel passieren müssen. Im Moment hat noch fast jeder Anbieter sein eigenes Gateway, das der Kunde bei sich zu Hause aufstellen muss. In der nächsten Phase wird es dann darum gehen, wie man die verschiedenen Geräte und Gateways zusammenbringt, sodass sie auch im Zusammenspiel sinnvoll agieren.

In Deutschland stehen viele Menschen dem Smart Home skeptisch gegenüber. Sie sehen durch die Vernetzung der Geräte über das Internet vor allem ihre Daten und damit ihre Privatsphäre gefährdet. Welche technischen Abwehrmaßnahmen sind nötig und sinnvoll?

Behler: Wenn man sich vorstellt, man hat plötzlich ein Gateway bei sich zu Hause laufen, das sämtliche Daten an Internetdienste schickt, dann weckt das bei vielen ein großes Misstrauenspotenzial – sowohl passiv, dass jemand mitlesen kann, als auch aktiv, dass jemand die Kontrolle über das Haus übernehmen kann. Um derartige Szenarien auszuschließen, müssen Ende-zu-Ende-Verschlüsselungen eingesetzt werden. Das heißt, die Daten, die das Gerät versendet, sind bereits verschlüsselt, werden über einen verschlüsselten Übertragungsweg übermittelt und können erst in der Mobilanwendung des Kunden entschlüsselt werden.

Und der Datenschutz?

Behler: Dazu sollte eine Trennung zwischen personenbezogenen Daten und den Betriebsdaten der Geräte gewährleistet sein. Erlangt jemand Zugriff auf die Betriebsdaten, weiß er somit nicht, wem das Gerät gehört und wo es aufgestellt ist. Außerdem müssen alle Komponenten und Kommunikationswege vom VDE und vom TüV zertifiziert werden. Dabei zeigt sich dann, ob das System allen Sicherheitsmaßstäben standhält.

Herr Khalil, wechseln wir vom Privatanwender mit Smart Home zu Unternehmen, die ihre Maschinen und Geräte steuern vernetzen wollen. Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Herausforderungen für Unternehmen bei der Steuerung von solch komplexen Projekten wie dem Aufsetzen einer IoT-Plattform?

Khalil: Beim Start eines IoT-Projekts erlebe ich häufig, dass den Beteiligten die strategischen Ziele noch unklar sind. Zum Beispiel: Für welche Kundengruppen oder für welche Region wird das Projekt eigentlich durchgeführt? Oft werden auch der Umfang und die Komplexität unterschätzt, insbesondere was die Firmware-Entwicklung der IoT-Geräte angeht. Es gilt ja schließlich, eine komplette IT-Infrastruktur zu konzipieren und aufzubauen. Und häufig wird auch zu wenig Zeit zum Testen eingeplant – sowohl für die einzelnen IT-Komponenten als auch für das gesamte Zusammenspiel der Systemlandschaft.

Was sind die wesentlichen Punkte, mit deren Hilfe Unternehmen IoT-Projekte erfolgreich meistern können?

Khalil: Aus meiner Erfahrung gibt es fünf entscheidende Erfolgsfaktoren. Diese sind vorab klare Ziele und eine umfassende Projektplanung, ein erfahrenes Kernteam, eine Projektorganisation mit Schnittstellen zu den Stakeholdern, ein Betriebs-und Supportteam nach Go Live sowie eine Systemübergreifende und automatisierte Testumgebung. Das Kernteam sollte einen Umfang von ca. vier bis fünf Experten haben und die Testumgebung sollte es ermöglichen, dass die Einzelkomponenten und deren Zusammenspiel kontinuierlich getestet werden können. Darüber hinaus sind regelmäßige Sicherheitsprüfungen unerlässlich.

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