Interview: „Wir lieben das Internet der Dinge.“

Interview mit Jan Rodig, Managing Partner, tresmo GmbH.

Das Thema Internet der Dinge bzw. Industrie 4.0 wird bei tresmo ganzheitlich betrachtet, Chancen und Risiken gleichermaßen in den Fokus gerückt, um für unsere Kunden ein optimales IoT-Ergebnis zu erzielen. Geschäftsführer Jan Rodig weiß, wie Unternehmen digital erfolgreich werden und erläutert im Interview, warum und wie mittelständische Unternehmen das Thema Internet der Dinge dringend auf ihre Agenda setzen sollten.

Herr Rodig, wie kann ein Unternehmer herausfinden, welche Relevanz das Internet der Dinge für seine Prozesse, sein Geschäft hat?

Aus unserer Erfahrung ist IoT für fast alle größeren Unternehmen ab einem mittleren achtstelligen Umsatz relevant, bei technologienahen Unternehmen auch deutlich unter dieser Schwelle. Beim Internet der Dinge geht es ja um die Vernetzung der physischen Welt und damit um eine schier unendliche Anzahl potenzieller Anwendungsfälle.

Das reicht von der intelligenten oder sogar automatisierten Produktion und Logistik, auch Industrie 4.0 genannt, über smarte Produkte wie energieeffiziente Heizungen oder vorausschauende Wartungsinformationssysteme an Fahrstühlen bis hin zu T-Shirts, die den Blutdruck ihres Trägers messen und warnen, wenn es kritisch wird. Aber auch Sensoren in den Ohren von Kühen, die Krankheiten frühzeitig erkennen, selbstfahrende Autos, vernetzte Tennisschläger zur Optimierung des Spiels, intelligente Lager- und Bestellsysteme oder aber Versicherungspolicen, deren Preis sich am Fahrstil des Versicherungsnehmers orientiert, gehören zu IoT.
Alle Unternehmen sollten ein genaues Verständnis davon haben wie sie sich hinsichtlich IoT aufstellen müssen, um auch in ein paar Jahren noch erfolgreich zu sein. Wir haben einen Fragebogen entwickelt, der Unternehmen hilft, die richtigen Fragen zu stellen um die individuelle IoT-Relevanz zu erkennen. Den gehen wir dann gemeinsam mit ihnen durch und so kann schnell geklärt werden, was getan werden muss.

Erfordert die Implementierung von Services, die auf dem Internet der Dinge beruhen, nicht enorme Investitionen?

Das ist eine Frage, die uns auch unsere Kunden sehr häufig stellen. Dabei gibt es jedoch keine Standardantwort – genau so vielfältig wie IoT-Ansätze sein können, so unterschiedlich sind auch die individuellen Kosten eines Projektes. Ob Sie ein neues T-Shirt smart machen oder aber beispielsweise Ihre gesamte Produktion automatisieren, ist kostenmäßig ein riesiger Unterschied.

Teuer wird es beispielsweise, wenn Sie die Hardware anpassen müssen und Millionen existierender Bestandsgeräte bei Ihren Kunden nachträglich mit Gateways ausstatten möchten, um die Gerätedaten an die Cloud zu senden und die Aktoren fernsteuerbar zu machen. Aber auch auf der Softwareseite gibt es sehr viele Parameter. Können existierende Plattformen oder Komponenten verwendet werden? Welche Funktionen sollen die Anwendungen haben, reines Monitoring oder auch Steuerung? Soll die User Experience auf Tablets, PCs, Smartphones und evtl. auch Maschinendisplays konsistent sein? Wie heterogen sind die einzubeziehenden vernetzten Dinge, also wie komplex ist die Datenstandardisierung im Backend? Wie wird Big Data eingebunden – wollen Sie nur einige Daten auslesen oder soll es ein komplexes selbstlernendes System werden? Das geht bei schlanken fünfstelligen Projektumfängen los und kann bei komplexen Industrie 4.0-Anwendungen auch sieben bis achtstellig werden.

Wie soll ein Unternehmen vorgehen, das ein IoT-Projekt angehen möchte?

Wir haben leider zu oft gesehen, wie chaotisch viele Unternehmen an IoT herangehen. Aber hektischer Aktionismus als Reaktion auf eine Messeneuheit eines Wettbewerbers oder ein rein technischer Fokus führen nur in den seltensten Fällen zum Erfolg. Daher haben wir auf Basis unserer langjährigen IoT-Erfahrungen ein integriertes Vorgehensmodell mit zwölf aufeinander aufbauenden Schritten entwickelt. Das findet man übrigens auch als Zusammenfassung auf Youtube: https://youtu.be/ECVhq50m11U.

In den ersten Schritten unseres Ansatzes geht es um die IoT-Strategie, die Kundenbedürfnisse und die optimale Definition von Funktionen. Danach folgen Überlegungen zur Schaffung datenbasierter Wettbewerbsvorteile, zum Organisationskonzept und dem Geschäftsmodell. Anschließend geht es um die vier technologischen Bausteine und schließlich um die Schaffung einer digitalen DNA. Mit solch einem systematischen Ansatz kommen Sie auf dem kürzesten und günstigsten Weg zum Ziel und ersparen sich viele unnötige Enttäuschungen. Denn vermeintliche Abkürzungen fallen den Unternehmen oft hinterher wieder böse vor die Füße, insbesondere bezüglich IT-Security, Marktakzeptanz und Performance.

Gibt es fertige „Blaupausen“, an denen man sich bei der Konzeptionierung, Planung und Umsetzung eines IoT-Projektes orientieren kann?

Die Anforderungen an solche Projekte unterscheiden sich stark nach Branche, Anwendungsfall und Projektdimensionen. Unser eben schon geschildertes Vorgehensmodell ist ein hervorragender Rahmen, an dem man sich orientieren kann. Für jeden Baustein haben wir die typischen Ausprägungen und Handlungsoptionen analysiert und können somit schnell eine Orientierung bieten. Trotzdem sind IoT-Projekte natürlich so individuell, dass man das nicht einfach mit einer Checkliste abarbeiten kann und sehr genau schauen muss, wie der Einzelfall aussieht.

Wie schnell müssen Unternehmen in das Internet der Dinge „einsteigen“, ohne den Zug zu verpassen?

So schnell wie möglich! Schliesslich ist IoT bzw. Industrie 4.0 der umfassendste Digitalisierungsschub seit langem und er wird in den kommenden Jahren fast alle Branchen kräftig durcheinander wirbeln. Das wird insbesondere diejenigen Sektoren massiv treffen, die bislang von der disruptiven Kraft der Digitalisierung weitgehend verschont geblieben sind, also unter anderem Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, aber auch zahlreiche Dienstleistungsbereiche. Leider verstehen viele Manager das Internet fälschlicherweise noch immer als etwas, wo man nur digital Zeitung lesen, kostenlos telefonieren oder Schuhe kaufen kann.

Doch die Chancen, die in der Vernetzung von Produkten und Gebäuden sowie der „smarten“ Steuerung von Produktion und Logistik stecken, sind riesig. Sie können massiv Prozesskosten senken, das Produkterlebnis für ihre Kunden enorm steigern, zukunftsfähige Geschäftsmodelle aufbauen und Vertriebschancen signifikant erhöhen. Doch da sich leider viele Unternehmen noch nicht ausreichend mit den Chancen und Risiken von IoT bzw. Industrie 4.0 auseinander gesetzt haben, unterschätzen sie das Thema sträflich und setzen damit ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit auf Spiel – genau so wie vor einigen Jahren Verlage, Einzelhändler und Musiklabels die ersten Digitalisierungswellen völlig verschlafen haben.

Insgesamt verschieben sich die kritischen Wettbewerbsfaktoren zusehends in Richtung digitaler Ressourcen und das müssen Unternehmen einfach berücksichtigen. Fast jeder muss heutzutage auch exzellente Software haben und damit meine ich nicht nur eine Homepage. Wenn das nicht rechtzeitig geschieht, kann das schlimme Folgen für die deutsche Industrie und unseren Wohlstand in Deutschland generell haben. US-Unternehmen sind gerade mit großem Eifer dabei, sich mit strategisch klugen Schachzügen wie beispielweise digitalen Plattformen oder der Schaffung so genannter digitaler Ökosysteme an den Schlüsselstellen von Kernindustrien zu positionieren. Dort könnten sie dann zukünftig Datenströme oder Kundenzugänge kontrollieren und damit die Margen insbesondere des produzierenden Gewerbes kräftig unter Druck setzen.

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